ULRIK LACKSCHEWITZ IM GESPRÄCH

„Sehr schneller Abbau der Altlasten gelungen“

 

Leistungsgestörte Kredite – viele davon aus dem Shipping – belasten die Bank seit vielen Jahren. Wie ist der Abbau 2017 vorangegangen?

Ulrik Lackschewitz:  Sehr gut! Innerhalb von zwölf Monaten haben wir das Volumen leistungsgestörter Kredite (NPE) in der Bank halbiert: von 14,6 Milliarden Euro Ende 2016 auf 7,5 Milliarden Euro zum Ende 2017. Damit ist uns ein sehr schneller Abbau der Altlasten gelungen. Diese Reduzierung hat entscheidend zur erfolgreichen Privatisierung beigetragen. Das Volumen der gesamten Abbaubank – darin befanden sich neben leistungsgestörten Krediten auch stets nicht-strategische Portfolios – haben wir binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte reduziert: von 21,4 Milliarden Euro auf 9,8 Milliarden Euro.

 

Weshalb ist der Abbau so schnell gelungen?

Ulrik Lackschewitz:  Dafür gibt es mehrere Gründe: der eher positive Schifffahrtsmarkt – viele leistungsgestörte Kredite kommen aus dem Shipping –, ein etwas schwächerer US-Dollar, aber auch unsere eigenen Sanierungserfolge, die dazu führen, dass Engagements wieder gesund werden und nicht mehr zum NPE-Portfolio gehören. All diese Faktoren spielen eine Rolle. Fast genauso wichtig war jedoch, dass wir unsere Herangehensweise verändert haben.

 

Wie meinen Sie das?

Ulrik Lackschewitz:  Wir haben uns bei Restrukturierung und Sanierung noch klarere Grundsätze gegeben und waren – in einem noch größeren Ausmaß als früher – auch eher bereit, harte Einschnitte vorzunehmen. Dabei haben wir uns wie immer daran orientiert, was für die Bank und die Garantiegeber am besten ist.

 

Geht das konkreter?

Ulrik Lackschewitz:  Wenn wir einen leistungsgestörten Kredit sanieren oder restrukturieren, muss er danach ein für alle Mal gesund sein, denn wir wollen die Probleme schlichtweg nicht in die Zukunft schieben. 2017 gab es bei Containerschiffen und Stückgutfrachtern eine leichte Aufwärtsbewegung. Da wir nicht wissen, wie lange dieser Trend anhält, haben wir das aktuelle Zeitfenster genutzt, um unser NPE-Portfolio so massiv wie möglich zu reduzieren – wir wollten den Exit aus unserem Portfolio auf keinen Fall verpassen. Was mir aber sehr wichtig ist: Möglich war der rasche Abbau nur, weil unsere ganze Organisation extrem gut mitgearbeitet hat. Das war eine großartige Leistung des Teams.

 

Wie wirkt sich die Privatisierung auf die Altlasten aus?

Ulrik Lackschewitz:  Wir haben im Zuge des Eigentümerwechsels fast alle leistungsgestörten Kredite aus der Abbaubank, in der Mehrheit sind das Schiffsfinanzierungen, mit einem Volumen von 6,3 Milliarden Euro an eine Zweckgesellschaft aus dem Kreis der Investoren verkauft. Diese Port­folio-Transaktion steht jedoch noch unter der aufschiebenden Bedingung des erfolgreichen Abschlusses der Privatisierung. Diese wird mit dem für das zweite oder dritte Quartal erwarteten Closing abgeschlossen. Um den Verkauf des 6,3-Milliarden-Euro-Portfolios und damit die wichtige Befreiung von den Altlasten zu ermöglichen, mussten wir auf das Portfolio zusätzliche, einmalige Wertberichtigungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bilden. Dabei hatten wir für das Portfolio bereits eine sehr umfang­reiche Risikovorsorge in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gebildet.

 

Weshalb ist die zusätzliche Wertberichtigung dann so hoch? 

Ulrik Lackschewitz:  Sie entspricht der Differenz zwischen dem Nettobuchwert und dem Kaufpreis. Bei dem Portfolio handelt es sich um sehr problematische Assets – die Qualität ist einfach schlecht.

 

Aber warum entspricht der Kaufpreis nicht dem bilanziellen Ansatz, für das Portfolio?

Ulrik Lackschewitz:  Ganz so einfach ist es leider nicht. Es ist teilweise sehr schwierig, einen aktuellen Marktwert für ein so großes Portfolio im engen Schifffahrtsmarkt zu ermitteln. Eins darf man nicht vergessen: Die Schifffahrts­märkte haben sich zwar von ihren historischen Tiefstständen erholt, bewegen sich aber immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

 

Die Ländergarantie ist bilanziell ausgelastet. Was bedeutet diese Wertberichtigung für das Konzernergebnis?

Ulrik Lackschewitz:  Wir bilden diese Risikovorsorge in unserer Gewinn- und Verlustrechnung ab, was maßgeblich zu unserem Verlust im Jahr 2017 in Höhe von minus 528 Millionen Euro nach Steuern geführt hat. Damit haben wir einen harten, aber notwendigen Schnitt vollzogen. Der Portfolio-Verkauf bedeutet, dass die Bank von Altlasten praktisch komplett befreit ist. Die NPE-Quote für die Gesamtbank – und nur von ihr werden wir künftig sprechen – wird danach auf unter zwei Prozent sinken. Das ist ein im Vergleich zum Wettbewerb guter Wert. Befreit von Altlasten haben wir gute Zukunftsperspektiven.